"Die Welt" 29.11.03
Die Geburtsvorbereitung mit Hypnose erleichtert die
Entbindung
Coesfeld - Eine Geburtsvorbereitung mit Hilfe von Hypnose erleichtert Frauen
die Entbindung. Das ist das Ergebnis einer Studie an acht deutschen Kliniken.
Die Wissenschaftler hatten unter Leitung der Vizepräsidentin der Deutschen
Gesellschaft für Hypnose, Helga Hüsken-Janßen, die Wirksamkeit der so genannten
hypnoreflexogenen Geburtsvorbereitung an 200 Frauen untersucht. Bei dieser
Methode werden im letzten Drittel der Schwangerschaft in Einzel- oder
Gruppensitzungen die einzelnen Phasen der Geburt durchgespielt.
"Die Frauen machen vor der Niederkunft quasi einen Probelauf in Trance",
sagte Helga Hüsken-Janßen. Das Ergebnis: Bei Frauen, die sich mit Hilfe von
Hypnose vorbereiteten, verkürzte sich die Dauer der Geburt im Durchschnitt um
etwa zwei Stunden. Zugleich hatten sie weniger Angst, benötigten weniger
Schmerzmittel und erlebten die Entbindung insgesamt positiver: 83 Prozent der
hypnotherapeutisch vorbereiteten Mütter beschrieben ihr Befinden kurz nach der
Geburt als ausgesprochen stolz, glücklich und zufrieden. Bei Frauen ohne diese
Vorbereitung lag der Wert nach Angaben der Hypnotherapeutin mit 52 Prozent
deutlich niedriger.
Laut Helga Hüsken-Janßen konnten 13 Prozent der Mütter noch am Tag der
Entbindung die Klinik verlassen, drei Mal mehr als in der Kontrollgruppe. Fast
40 Prozent der hypnotherapeutisch vorbereiteten Frauen hatten zudem keinerlei
Angst vor der Geburt verspürt. Bei der Vergleichsgruppe waren es den Angaben
zufolge nur zwölf Prozent. AP
Artikel erschienen am 29. Nov 2003
Die Wiedergeburt der natürlichen
Geburt:
„Hypnotherapie“ macht das Kinderkriegen leichter
20. Oktober 2003
Hamburg (dpa/fwt) – „In freudiger
Erwartung“ oder „voll guter Hoffnung“ lauten die etwas angestaubten
Umschreibungen für Frauen in der Schwangerschaft. Beim Gedanken an die
bevorstehende Geburt verfallen aber einige Frauen eher in schlichte Panik denn
in entspannte Hochstimmung. Die Angst vor dem, was vor ihnen liegt, vor den
Schmerzen der Geburt und möglichen Komplikationen können die Schwangerschaft –
auch bei noch so großer Freude auf den Nachwuchs – deutlich vermiesen.
Hypnose in der Geburtsvorbereitung könnte diesen
Frauen helfen, der Geburt entspannter entgegenzusehen und sie leichter zu
bewältigen, zeigt eine neue Untersuchung, die die Coesfelder Diplom-Psychologin
Helga Hüsken-Janßen gemeinsam mit der Universität Tübingen und dem Westfälischen
Institut für Hypnose und Hypnotherapie an acht deutschen Kliniken durchgeführt
hat. Knapp 200 Frauen nahmen an der Studie teil, in der die Wirksamkeit der „hypnoreflexogenen
Geburtsvorbereitung“ untersucht wurde.
Schneller, leichter, schöner
Das Ergebnis: Bei Frauen, die sich mit Hilfe der
Hypnose auf die Geburt vorbereitet hatten, verkürzte sich die Dauer der Geburt,
sie benötigten weniger Schmerzmittel und erlebten die Geburt insgesamt positiver
als die Kontrollgruppe. Von dem Verfahren, das bereits in den 1970er Jahren in
Amerika entwickelt wurde, scheinen besonders Erstgebärende zu profitieren. Bei
diesen Frauen traten die positiven Effekte am deutlichsten zutage.
Kernpunkt der hypnoreflexogenen Geburtsvorbereitung
sind therapeutische Einzel- oder Gruppensitzungen, an der die Schwangeren im
letzten Drittel der Schwangerschaft teilnehmen. Unter Hypnose werden die
einzelnen Phasen der Geburt während dieser Sitzungen durchgespielt. „Die Frauen
machen quasi einen Probelauf in Trance“, sagt Helga Hüsken-Janßen. Dieses
Training mache die Frauen sicherer.
Teufelskreis durchbrechen
Zusätzlich würden negativ belegte Begriffe, die im
Zusammenhang mit der Geburt auftauchen, ausgetauscht. „Den Begriff `Wehe´ zum
Beispiel verbinden die meisten mit `weh tun´“, sagt die Diplom-Psychologin. Bei
den Hypnotherapeuten heißen die Wehen Kontraktionen. „In der Trance erfahren die
Frauen dann, dass Kontraktionen nicht notwendigerweise schmerzen müssen.“ Der
Kreislauf aus Angst, die zur Anspannung und dann zu verstärkten Schmerzen führe,
könne so durchbrochen werden. Die Geburt selber finde bei vollem Bewusstsein
statt. Die Frauen könnten zwar die Selbsthypnosetechniken anwenden, die sie
zuvor gelernt haben, um die Schmerzen zu mildern. Zwingend sei das jedoch nicht.
Bei allen hypnotherapeutisch vorbereiteten Frauen
nahm die Dauer der Eröffnungsphase der Geburt ab. Bei den Erstgebärenden betrug
sie sogar ganze zwei Stunden weniger als bei der Kontrollgruppe. „Dass der
Effekt so prägnant ist, hätte ich selbst nicht für möglich gehalten“, sagt
Hüsken-Janßen, die auch Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Hypnose
ist. Ebenfalls statistisch deutlich unterschied sich die Schmerzempfindung der
Gebärenden: Während rund 80 Prozent der Kontrollgruppe angaben, „fürchterlich
starke“ Schmerzen gehabt zu haben, waren es bei den hypnotisch vorbereiteten
Frauen weniger als 50 Prozent.
Sie benötigten folglich auch weniger Schmerzmittel.
45 Prozent verzich-teten ganz auf schmerzlindernde Mittel, bei der
Kontrollgruppe waren es nur rund 32 Prozent. Bei den frisch gebackenen Müttern
kommt das, logischerweise, gut an: Etwa 80 Prozent sagten, sie würden die Geburt
mit hypnotherapeutischer Vorbereitung noch einmal machen. 13 Prozent dieser
Mütter konnten noch am Tag der Geburt die Klinik verlassen, drei Mal mehr als in
der Kontrollgruppe.
Stalin ließ Schwangere hypnotisieren
Der Ursprung der Hypnose in der Geburtsvorbereitung
liegt scheinbar in Russland. Im Fachblatt „American Journal of Clinical Hypnosis“
(Bd. 24,
S. 149) zeichne der Amerikaner William Werner die Entwicklung der Methode nach,
berichtet Hüsken-Janßen. Demnach habe der Arzt Platonow die Hypnose in den
1920er Jahren dort regelmäßig bei Schwangeren angewandt. Als Stalin von den
Erfolgen hörte, soll er dann ein landesweites Programm gestartet haben, in dem
er alle schwangeren russischen Frauen auf ihre Empfänglichkeit für die Hypnose
testete.
Nachdem sich die Methode zunächst über Frankreich,
Lateinamerika und schließlich Amerika verbreitete, geriet sie schließlich in
Vergessenheit. Hauptsächlich die Verfügbarkeit schmerzstillender Medikamente
verdrängte dieses Verfahren der „natürlichen Geburt“. „Heute nimmt das Interesse
der Frauen daran wieder zu“, sagt Hüsken-Janßen. Damit scheint auch das „Hokus-Pokus“-Image,
das der Hypnose lange Zeit anhaftete, allmählich zu verblassen. „In Deutschland
erleben wir derzeit eine Renaissance hypnotherapeutischer Verfahren“, sagt auch
Hanne Seemann von der Abteilung für Medizinische Psychologie des
Universitätsklinikums Heidelberg. Die Akzeptanz des Verfahrens habe in der
wissenschaftlichen Gemeinschaft rasant zugenommen.
Schmerzpatienten brauchen weniger Medikamente
Außer in der Psychotherapie wird die Hypnose in
erster Line in der Schmerztherapie angewandt. Kürzlich zeigten Göttinger
Wissenschaftler, dass sich bei chronischen Schmerzpatienten die Einnahme von
Schmerzmedikamenten mit Hilfe der Hypnose drastisch reduzieren lässt. Sie
unterwiesen ihre Patienten in Selbsthypnose. Auch noch drei Monate nach
Abschluss der Behandlung benötigten die Schmerzpatienten 60 bis 75 Prozent
weniger schmerzstillende Medikamente. Das seien bedeutende Werte, insbesondere
angesichts der rund sieben Millionen Menschen, die in Deutschland unter
chronischen Schmerzen leiden, sagt der Studienleiter Stefan Jacobs vom
Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie der Universität Göttingen.
Auch in der Zahnmedizin ist die Hypnose mittlerweile
recht verbreitet, zahlreiche Praxen bieten sie besonders solchen Patienten an,
die unter panischer Zahnarztangst leiden. Hypnose kann also bei einer Reihe
medizinischer Fragestellungen angewandt werden. Untersuchungen haben gezeigt,
dass in der Trance die Anspannung von Muskeln nachlässt, Herzfrequenz und
Blutdruck, sowie der Gehalt an Stresshormonen sinkt. Der Körper wird so in einen
tiefen Entspannungszustand versetzt, in dem Schmerzen aus dem Bewusstsein
verbannt werden können.
Derzeit übernehmen die Krankenkassen die Kosten für
die hypnotherapeutische Geburtsvorbereitung nicht. Die Wissenschaftler um Helga
Hüsken-Janßen planen, zunächst verstärkt Gynäkologen mit der hypnoreflexogenen
Geburtsvorbereitung vertraut zu machen. Anschließend sollen dann auch Hebammen
darin ausgebildet werden. Die könnten von dem Verfahren auf ganz eigene Weise
profitieren: Hebammen, die an der Coesfelder Untersuchung teilgenommen hatten,
bezeichneten 88 Prozent der hypnotherapeutisch vorbereiteten Erstgebärenden als
„unkompliziert“.
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Anja Garms
Anja Garms, Tel.: 0 40/41
13 - 22 68, E-Mail: wissenschaft@dpa.de
"Hypnotherapie hilft Gebärenden " in: "Gynäkologie und Geburtshilfe"
Ausgabe 05/2003
http://www.gynundgeburtshilfe.de/pdf.php?url=/archiv/2003/05/gg0305_8.pdf
http://www.tachauch.de/background/gesundheit/schwangerschaft/03122003_hypnose.html
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